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Gabriele Fricke
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31515 Wunstorf
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Zuwanderung in
Niedersachsen
Die älteste Zuwanderung in den niedersächsischen
Raum ist diejenige der Sachsen und der Friesen in spätantiker,
frühmittelalterlicher Zeit, also vor ca. 1500 Jahren. Die jüngste,
unsere Region nachhaltig prägende Zuwanderung ist diejenige der
Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg.
Zwischenzeitlich blieben die Zuwanderungen gering. Niedersachsen als
stark agrarisch geprägtes Land mit wenig Ausrichtung auf Handel und
Dienstleistung war nur ein unbedeutendes Zielgebiet für Zuwanderung.
Es gab keine Massenzuwanderung von Einfacharbeitskräften. Selbst
nach den Agrarreformen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
reichten in Niedersachsen die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft im
Regelfall aus, so dass nur saisonal, und auch nicht in einer mit
westdeutschen Industriegebieten vergleichbaren Höhe, ostdeutsche und
ostmitteleuropäische Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, z. B. zur
Rübenkampagne, benötigt worden wären. 4
In Preußen ballten sich die italienischen Zuwanderer
überwiegend in den Provinzen Westfalen und Rheinland, die Provinz
Hannover erfuhr nur sehr geringe Zuwanderung. Es wurde wie im
übrigen Reich eine stetige Zunahme nach der Jahrhundertwende
beobachtet. Am 1. Dezember 1900 zählte man für die Provinz Hannover
579 Italiener, bis zum 1. Dezember 1905 stieg die Zahl bereits auf
1035. Das Herzogtum Braunschweig zählte 329 Italiener. Zu beachten
ist hier wieder das Datum, das dann nur die im Land verbliebenen
Arbeiter erfasste und die temporären Zuwanderer hiermit
vernachlässigte.
Im Bericht des Caritasverbandes über ihre Missionstätigkeit finden
sich für den Regierungsbezirk Hannover folgende Zahlen: 1900 mit 194
Personen, 1905 waren es 720 5, 1908 stieg die Zahl
bereits auf 1.000 an.
Bei den zuwandernden Terrazzo- und Mosaikarbeitern handelt es sich
um ein Spezialgewerbe, das in Italien eine lange Tradition hat und
um die Jahrhundertwende eine starke Nachfrage im europäischen und
amerikanischen Raum hatte. Mit dem Aufblühen der Gründerzeit
erschloss sich dem Terrazzo6 in Preußen ein umfangreiches
Anwendungsfeld in öffentlichen Bauten. Überall, wo eine starke
Beanspruchung des Bodens Abnutzung bedeutet, wie in Rathäusern,
Schulen, Theatern, Kasernen, Krankenhäusern, kam der in einem Stück
vor Ort gegossene Bodenbelag zur Anwendung.
Bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts hinein wurden diese Böden
ausschließlich von italienischen Spezialfirmen gelegt. In jeder
größeren Kreisstadt der Provinz Hannover siedelten sich mit Beginn
der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Firmen an, die dann
Wanderarbeiter aus Italien beschäftigten. Dieses arbeitsintensive
und schwere Handwerk benötigte zur Durchführung seiner Arbeiten
Arbeiterkolonnen, die überwiegend aus der Provinz Udine im
Nord-Osten Italiens stammten.
Aus diesen gut bezahlten wandernden Facharbeitern wurden hin und
wieder Unternehmer, die über viele Jahre ausschließlich das Mosaik-
und Terrazzohandwerk ausführten und heute teilweise noch in zweiter
oder dritter Generation mit artverwandtem Handwerk hier ansässig
sind. Die Verbindung zur Heimat haben sie nicht aufgegeben.
Zuwanderung nach
Uelzen
Im Gegensatz zu den Hauptzuwanderungsgebieten des
Deutschen Reiches, kamen Arbeit suchende Italiener nicht ohne
vorherige Kontakte oder direkt aus Italien in unsere Kreisstadt.
Teilweise waren sie vorher in anderen deutschen Städten im Einsatz
und hörten über ein gut funktionierendes Informationssystem von
Arbeit. Man kann davon ausgehen, jeder Italiener der nach Uelzen
kam, hatte einen Freund, Bekannten aus der Heimatgemeinde oder
bereits Verwandte mit denen sie im gewünschten Zuwanderungsraum
Kontakt hatten. Die in anderen Gebieten des Reiches zum Einsatz
kommenden Arbeitsvermittler (italienische Poliere, Baumeister oder
Maurermeister) hatten in Uelzen keine Bedeutung.
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