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Gabriele Fricke
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Tel (05031) 90 92 79
Fax (05031) 90 92 59
E-Mail: g_fricke@t-online.de

 

 

Zuwanderung in Niedersachsen

Die älteste Zuwanderung in den niedersächsischen Raum ist diejenige der Sachsen und der Friesen in spätantiker, frühmittelalterlicher Zeit, also vor ca. 1500 Jahren. Die jüngste, unsere Region nachhaltig prägende Zuwanderung ist diejenige der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg. Zwischenzeitlich blieben die Zuwanderungen gering. Niedersachsen als stark agrarisch geprägtes Land mit wenig Ausrichtung auf Handel und Dienstleistung war nur ein unbedeutendes Zielgebiet für Zuwanderung.

Es gab keine Massenzuwanderung von Einfacharbeitskräften. Selbst nach den Agrarreformen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, reichten in Niedersachsen die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft im Regelfall aus, so dass nur saisonal, und auch nicht in einer mit westdeutschen Industriegebieten vergleichbaren Höhe, ostdeutsche und ostmitteleuropäische Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, z. B. zur Rübenkampagne, benötigt worden wären. 4

In Preußen ballten sich die italienischen Zuwanderer überwiegend in den Provinzen Westfalen und Rheinland, die Provinz Hannover erfuhr nur sehr geringe Zuwanderung. Es wurde wie im übrigen Reich eine stetige Zunahme nach der Jahrhundertwende beobachtet. Am 1. Dezember 1900 zählte man für die Provinz Hannover 579 Italiener, bis zum 1. Dezember 1905 stieg die Zahl bereits auf 1035. Das Herzogtum Braunschweig zählte 329 Italiener. Zu beachten ist hier wieder das Datum, das dann nur die im Land verbliebenen Arbeiter erfasste und die temporären Zuwanderer hiermit vernachlässigte.
Im Bericht des Caritasverbandes über ihre Missionstätigkeit finden sich für den Regierungsbezirk Hannover folgende Zahlen: 1900 mit 194 Personen, 1905 waren es 720 5, 1908 stieg die Zahl bereits auf 1.000 an.

Bei den zuwandernden Terrazzo- und Mosaikarbeitern handelt es sich um ein Spezialgewerbe, das in Italien eine lange Tradition hat und um die Jahrhundertwende eine starke Nachfrage im europäischen und amerikanischen Raum hatte. Mit dem Aufblühen der Gründerzeit erschloss sich dem Terrazzo6 in Preußen ein umfangreiches Anwendungsfeld in öffentlichen Bauten. Überall, wo eine starke Beanspruchung des Bodens Abnutzung bedeutet, wie in Rathäusern, Schulen, Theatern, Kasernen, Krankenhäusern, kam der in einem Stück vor Ort gegossene Bodenbelag zur Anwendung.

Bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts hinein wurden diese Böden ausschließlich von italienischen Spezialfirmen gelegt. In jeder größeren Kreisstadt der Provinz Hannover siedelten sich mit Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Firmen an, die dann Wanderarbeiter aus Italien beschäftigten. Dieses arbeitsintensive und schwere Handwerk benötigte zur Durchführung seiner Arbeiten Arbeiterkolonnen, die überwiegend aus der Provinz Udine im Nord-Osten Italiens stammten.
Aus diesen gut bezahlten wandernden Facharbeitern wurden hin und wieder Unternehmer, die über viele Jahre ausschließlich das Mosaik- und Terrazzohandwerk ausführten und heute teilweise noch in zweiter oder dritter Generation mit artverwandtem Handwerk hier ansässig sind. Die Verbindung zur Heimat haben sie nicht aufgegeben.

Zuwanderung nach Uelzen

Im Gegensatz zu den Hauptzuwanderungsgebieten des Deutschen Reiches, kamen Arbeit suchende Italiener nicht ohne vorherige Kontakte oder direkt aus Italien in unsere Kreisstadt. Teilweise waren sie vorher in anderen deutschen Städten im Einsatz und hörten über ein gut funktionierendes Informationssystem von Arbeit. Man kann davon ausgehen, jeder Italiener der nach Uelzen kam, hatte einen Freund, Bekannten aus der Heimatgemeinde oder bereits Verwandte mit denen sie im gewünschten Zuwanderungsraum Kontakt hatten. Die in anderen Gebieten des Reiches zum Einsatz kommenden Arbeitsvermittler (italienische Poliere, Baumeister oder Maurermeister) hatten in Uelzen keine Bedeutung.

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